Die Hardware des Geistes: Das Gehirn als Empfänger und Interface
Lange Zeit betrachtete die Wissenschaft das Gehirn als eine Art biologischen Computer, der Bewusstsein rein mechanisch aus der Materie erzeugt – wie Dampf aus einem Kochtopf. Auch bei Feynman wabert der Geist mit seiner Qualia sozusagen wie Dampf über der Hirnrinde. Doch eine neue, interdisziplinäre Synthese, getragen von Nobelpreisträgern und Pionieren der Technologie, zeichnet ein völlig erweitertes Bild: Das Gehirn ist nicht der Urheber des Geistes, sondern sein höchstentwickeltes Empfangsgerät.
Das dynamische Muster: Geist über Materie
Richard Feynman ahnte es bereits: Das Denken ist ein dynamisches Muster, das auf dem Nervengewebe „schwimmt“, ohne direkt darin verkörpert zu sein. Es verhält sich zum Gehirn wie die Musik zum Radio oder der Wirbelsturm zu den Luftmolekülen. Das Selbst (Musik, Wirbelsturm) bleibt bestehen und bewahrt seine Identität, während die materielle Basis (die Atome unseres Körpers, die Neuronen des Gehirns) sich ständig erneuern.
Die Quanten-Antennen im Inneren
Doch wie tritt ein immaterieller Geist mit der Materie in Kontakt? Hier liefern John Eccles und Roger Penrose die entscheidenden Puzzleteile. Eccles erkannte, dass der Geist nicht durch grobe Energie, sondern über die feine Steuerung von Quanten-Wahrscheinlichkeiten an den Synapsen wirkt. Er nannte diese geistigen Einheiten „Psychonen“. Penrose und sein Kollege Hameroff lokalisierten den Ort dieser Interaktion noch tiefer: in den Mikrotubuli – winzigen Strukturen innerhalb der Nervenzellen. Diese agieren als biologische Quantencomputer, die sensibel genug sind, um Impulse aus einem „geistigen Feld“ aufzugreifen und in elektrische Signale zu übersetzen.
Bild: Drei Dendronen (Gruppen von Pyramidenzellen im Cortex)
im Feld der drei zugehörigen Psychonen (punktiert) nach Eccles
Information, Liebe und die Einheit der Welt
Diese wissenschaftliche Perspektive findet ihre philosophische und theologische Krönung in den Arbeiten von Carl Friedrich von Weizsäcker und Federico Faggin. Wenn Materie letztlich aus „Ur-Information“ (Weizsäcker) besteht, dann ist das Universum im Kern kein toter Mechanismus, sondern ein lebendiges Feld von Bewusstsein.
Federico Faggin geht sogar so weit, dieses Feld mit dem Begriff der Liebe zu verknüpfen. In seinem Modell ist die Liebe die fundamentale Kraft, die bewusste Einheiten zur Verbindung und Erkenntnis drängt. Das Gehirn fungiert hierbei als Interface, das die unendlichen Qualia – das subjektive Erleben von Licht, Schönheit und Mitgefühl – in unsere dreidimensionale Welt übersetzt.
Eine neue Synthese: Der Mensch als Resonanzkörper
Zusammenfassend ergibt sich ein Bild des Menschen, das sowohl wissenschaftlich präzise als auch spirituell tiefgreifend ist:
Wir sind keine isolierten biochemischen Maschinen. Unser Gehirn ist eine hochkomplexe Membran, die im Rhythmus eines universellen Feldes schwingt. Das „Ich“ ist jenes dynamische Quantenmuster, das durch diese Membran hindurchtritt. Diese Synthese bestätigt die alte theologische Intuition: Dass der Geist das Primäre ist und die Materie dessen Ausdrucksform. (1. Korinther 6,19). Wir „denken“ nicht nur; wir empfangen und gestalten ein Stück der unendlichen Ur-Information, die das Universum im Innersten zusammenhält.
____________
John C. Eccles: Wie das Selbst sein Gehirn steuert. Springer, Heidelberg, 1994
Roger Penrose: Quantenberechnung in Hirnmikrotubuli? Das Penrose-Hameroff-„Orch-OR“-Modell des Bewusstseins. Philos Trans A Math Phys Eng Sci (1998) 356 (1743): 1869–1896
Stuart Hameroff: Microtubules: The Gateway To Consciousness. https://www.youtube.com/watch?v=0_bQwdJir1o
Federico Faggin: Jenseits de Unsichtbaren. Wo Wissenschaft und Spiritualität zusammentreffen. Mondatori Libri, Milano, 2024

